Forscher haben herausgefunden, wie sich Psoriasis bei manchen Patienten unbemerkt zu einer Gelenkerkrankung entwickeln kann. In der entzündeten Haut gebildete Immunzellen können über das Blut in die Gelenke gelangen, wo sie dort manchmal Entzündungen auslösen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Fähigkeit des Gelenks, diese Zellen in Schach zu halten. Diese Erkenntnis könnte Ärzten helfen, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und bleibende Gelenkschäden zu verhindern.
Was ist Psoriasis?
Psoriasis (auch Schuppenflechte genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, bei der sich die Hautzellen viel schneller erneuern als normalerweise. Dadurch kommt es zu typischen Veränderungen der Haut: gerötete, scharf begrenzte Stellen, die oft mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Diese sogenannten Plaques treten besonders häufig an Ellenbogen, Knien, der Kopfhaut oder am unteren Rücken auf, können aber grundsätzlich überall am Körper entstehen.

Ursache der Psoriasis ist eine Fehlreaktion des Immunsystems. Dabei greifen bestimmte Abwehrzellen irrtümlich die eigenen Hautzellen an, was zu Entzündungen und einer beschleunigten Zellteilung führt. Die genaue Entstehung ist komplex und wird durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Faktoren beeinflusst. Zu solchen Auslösern zählen zum Beispiel Stress, Infektionen, Hautverletzungen oder bestimmte Medikamente.
Neben den sichtbaren Hautveränderungen kann Psoriasis auch mit Juckreiz, Brennen oder Schmerzen verbunden sein. In einigen Fällen sind zusätzlich die Gelenke betroffen; dann spricht man von einer sogenannten Psoriasis-Arthritis. Etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen mit Psoriasis entwickeln irgendwann schmerzhafte Gelenkentzündungen. Diese als Psoriasis-Arthritis bezeichnete Erkrankung kann zu bleibenden Schäden an Knochen und Gelenken führen, wenn sie nicht behandelt wird. Jahrelang war Ärzten nicht vollständig klar, warum die Psoriasis bei manchen Patienten zu einer Gelenkerkrankung fortschritt, bei anderen jedoch nicht.
Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich, jedoch gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern können. Dazu gehören äußerlich anzuwendende Cremes und Salben, Lichttherapie sowie in schwereren Fällen Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen.
Wie Immunzellen von der Haut in die Gelenke gelangen
Forscher der Abteilung für Innere Medizin 3 – Rheumatologie und Immunologie am Uniklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun die dafür verantwortlichen spezifischen Immunzellen identifiziert und aufgedeckt, wie diese von der Haut in die Gelenke wandern. Ihre Ergebnisse weisen auf neue Wege hin, um Psoriasis-Arthritis zu erkennen und zu verhindern, bevor bleibende Gelenkschäden auftreten. Die Studie wurde in Nature Immunology veröffentlicht.
Psoriasis verursacht Entzündungen in der Haut, die zur Bildung spezieller Immunvorläuferzellen führen. Diese Zellen bleiben nicht auf die Haut beschränkt. Den Forschern zufolge können sie in den Blutkreislauf gelangen und später die Gelenke erreichen. „Diese Zellen können von der Haut in den Blutkreislauf und von dort zu den Gelenken wandern“, erklärt Dr. Simon Rauber, Leiter der Arbeitsgruppe am Institut für Innere Medizin 3. Er merkt jedoch an, dass ihre bloße Anwesenheit nicht automatisch eine Gelenkentzündung verursacht. „Es ist interessant, dass die bloße Wanderung von Immunzellen in das Gelenk nicht ausreicht, um dort eine Entzündung auszulösen.“
Warum sich bei manchen Patienten eine Gelenkentzündung entwickelt
Was im Gelenk selbst geschieht, spielt eine entscheidende Rolle. Sobald Immunzellen dort ankommen, interagieren sie mit Fibroblasten, also Bindegewebszellen, die normalerweise dazu beitragen, das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und das Gelenk zu schützen. Bei Menschen, die später eine Psoriasis-Arthritis entwickeln, ist diese Schutzreaktion geschwächt.“ „Die Schutzfunktion dieser Bindegewebszellen ist bei Menschen, die eine Psoriasis-Arthritis entwickeln, in der Regel erheblich eingeschränkt“, sagte Prof. Dr. Andreas Ramming, Teamleiter und stellvertretender Abteilungsleiter an der Abteilung für Innere Medizin 3. „Infolgedessen können die in das Gelenk eindringenden Entzündungszellen nicht in Schach gehalten werden und lösen eine Entzündungsreaktion im Gelenk aus.“ Dieser Zusammenbruch hilft zu erklären, warum sich bei manchen Psoriasis-Patienten eine Gelenkerkrankung entwickelt, bei anderen jedoch nicht.
Die Forscher fanden zudem heraus, dass diese wandernden Immunzellen bereits im Blut nachgewiesen werden können, bevor eine Gelenkentzündung einsetzt. Diese Entdeckung könnte es ermöglichen, Patienten mit erhöhtem Risiko früher als je zuvor zu identifizieren. Zukünftig könnten sich Behandlungen darauf konzentrieren, diese Immunzellen zu bekämpfen, bevor sie die Gelenke erreichen, und so die Entzündung zu stoppen, bevor sie beginnt. Solche Ansätze könnten dazu beitragen, Psoriasis-Arthritis zu verhindern, anstatt bereits entstandene Schäden zu behandeln.



