Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt – bei Frauen während der Menopause und bei Männern im Rahmen der Andropause. Die Folgen betreffen nicht nur Sexualität, Schlaf und Energie, sondern auch den Stoffwechsel. Besonders interessant ist dabei die Gesundheit der Leber. Eine neue japanische Studie zeigt, dass ein niedriger Testosteronspiegel in Kombination mit einer hohen Fructoseaufnahme die Fetteinlagerung in der Leber verstärken kann. Auch der Rückgang des Östrogens nach den Wechseljahren könnte das Risiko für eine Fettleber erhöhen.
Wenn sich der Hormonhaushalt verändert
Hormone beeinflussen weit mehr als nur die Fortpflanzungsfähigkeit. Sie steuern zahlreiche Stoffwechselprozesse und wirken unter anderem auf die Verteilung von Körperfett, den Muskelaufbau, die Insulinempfindlichkeit und die Verarbeitung von Zucker und Fetten. Mit zunehmendem Alter verändert sich dieses fein abgestimmte System.

Bei Frauen beginnt während der Wechseljahre die Produktion der weiblichen Sexualhormone zunehmend zu schwanken. Schließlich sinkt insbesondere der Östrogenspiegel dauerhaft ab. Bei Männern verläuft die Entwicklung meist langsamer: Der Testosteronspiegel kann im Laufe der Jahre allmählich zurückgehen. Diese hormonellen Veränderungen können Auswirkungen auf das Körpergewicht und die Fettverteilung haben. Besonders das Bauchfett nimmt bei vielen Menschen im mittleren und höheren Lebensalter zu. Was dabei häufig unterschätzt wird: Auch die Leber ist von diesen Veränderungen betroffen.
Die Leber: Ein wichtiges Stoffwechselorgan
Die Leber gehört zu den wichtigsten Stoffwechselorganen des Körpers. Sie verarbeitet Nährstoffe, reguliert den Blutzucker, produziert lebenswichtige Eiweiße und ist an der Verarbeitung von Fetten und Hormonen beteiligt. Gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, kann sich zunehmend Fett in den Leberzellen ansammeln. Diese Erkrankung wird heute als MASLD bezeichnet – die metabolisch bedingte Fettlebererkrankung. Sie steht häufig mit Übergewicht, Insulinresistenz, erhöhten Blutzuckerwerten und Störungen des Fettstoffwechsels in Verbindung.
Problematisch ist, dass eine Fettleber lange Zeit unbemerkt bleiben kann. Viele Betroffene haben zunächst keine Beschwerden. Bei einem Teil der Erkrankten kann sich jedoch eine Entzündung entwickeln, aus der langfristig eine Vernarbung des Lebergewebes und schließlich eine Leberzirrhose entstehen kann. Gerade in der Lebensmitte lohnt es sich deshalb, neben Blutdruck und Blutzucker auch die Lebergesundheit im Blick zu behalten.
Testosteronmangel: Warum Männer besonders auf ihren Stoffwechsel achten sollten
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es beeinflusst unter anderem Muskelmasse, Knochenstabilität, Libido und die Verteilung des Körperfetts. Mit zunehmendem Alter kann der Testosteronspiegel sinken. Bei manchen Männern entwickelt sich ein ausgeprägter Testosteronmangel, der sich beispielsweise durch nachlassende Muskelkraft, erhöhte Müdigkeit, weniger sexuelles Interesse und eine Zunahme des Bauchfetts bemerkbar machen kann. Auch der Stoffwechsel kann betroffen sein.
Ein niedriger Testosteronspiegel wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Stoffwechselstörungen und eine metabolisch bedingte Fettleber in Verbindung gebracht. Dabei besteht eine komplexe Wechselwirkung: Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen können den Testosteronspiegel ebenfalls beeinträchtigen. Es entsteht unter Umständen ein Kreislauf, bei dem sich hormonelle und metabolische Veränderungen gegenseitig verstärken. Genau diese Verbindung zwischen Testosteron und Lebergesundheit wollten japanische Forscher genauer untersuchen.
Neue Studie: Wenn Testosteronmangel und Fruchtzucker zusammentreffen
Die im Fachjournal American Journal of Physiology – Endocrinology and Metabolism veröffentlichte Untersuchung beschäftigte sich mit der Frage, wie sich ein niedriger Testosteronspiegel und eine hohe Fructoseaufnahme gemeinsam auf die Leber auswirken. Dafür arbeiteten die Wissenschaftler mit männlichen Mäusen. Ein Teil der Tiere wurde operiert, um die Testosteronproduktion stark zu reduzieren. Anschließend erhielten die Tiere über acht Wochen entweder normales Trinkwasser oder Wasser mit einem hohen Fructoseanteil. Einige Versuchsgruppen erhielten zusätzlich Antibiotika, um den Einfluss der Darmbakterien zu untersuchen.

Die Ergebnisse waren wie folgt: Ein niedriger Testosteronspiegel allein führte nicht zu einer deutlichen Zunahme der Fetteinlagerung in der Leber. Auch Fructose allein zeigte nicht denselben ausgeprägten Effekt wie die Kombination beider Faktoren. Erst wenn Testosteronmangel und eine hohe Fructoseaufnahme zusammentrafen, stieg die Ansammlung von Triglyceriden und Cholesterin in der Leber deutlich an. Die Forscher fanden damit Hinweise darauf, dass hormonelle Veränderungen und Ernährungsgewohnheiten gemeinsam einen stärkeren Einfluss auf den Leberstoffwechsel haben können als einzelne Risikofaktoren.
Die überraschende Rolle der Darmflora
Besonders aufschlussreich war ein weiterer Befund der Untersuchung: Offenbar spielt auch die Darmflora eine wichtige Rolle. Die Zusammensetzung der Darmbakterien veränderte sich bei den Mäusen, die gleichzeitig einen niedrigen Testosteronspiegel und viel Fructose erhielten. Dabei stellten die Wissenschaftler eine erhöhte Konzentration von Pyruvat im Darm fest. Pyruvat ist ein Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels. Es entsteht unter anderem beim Abbau von Glucose und kann in verschiedenen Stoffwechselwegen weiterverarbeitet werden.
In zusätzlichen Experimenten mit isolierten Leberzellen zeigte sich, dass Pyruvat gemeinsam mit Fructose die Ansammlung von Triglyceriden verstärken konnte. Auch die Behandlung mit Antibiotika führte bei den Versuchstieren zu einer Abschwächung bestimmter Veränderungen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Veränderungen der Darmflora an diesem Prozess beteiligt sein könnten. Wie genau die einzelnen Bakterien und Stoffwechselprodukte zusammenwirken, muss allerdings noch weiter erforscht werden. Damit rückt neben den Hormonen und der Ernährung auch die Verbindung zwischen Darm und Leber stärker in den Mittelpunkt.
Auch Frauen nach der Menopause sind betroffen
Obwohl sich die japanische Untersuchung ausschließlich mit männlichen Mäusen beschäftigte, ist das Thema für Frauen in und nach den Wechseljahren ebenfalls interessant. Denn auch Östrogen spielt eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel der Leber.
Während der fruchtbaren Lebensphase beeinflusst das weibliche Sexualhormon unter anderem die Fettverteilung und die Insulinempfindlichkeit. Mit dem Rückgang des Östrogens nach der Menopause verändert sich diese Situation. Viele Frauen bemerken, dass sich Körperfett zunehmend im Bauchbereich ansammelt, obwohl sich ihre Ernährungsgewohnheiten möglicherweise kaum verändert haben. Auch das Risiko für Insulinresistenz, ungünstige Blutfettwerte und eine metabolisch bedingte Fettleber kann steigen. Eine 2025 in Endocrine Reviews veröffentlichte Übersichtsarbeit beschreibt, wie Östrogenmangel den Leberstoffwechsel, die Fettverteilung und die Insulinempfindlichkeit beeinflussen kann.
Auch eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Jaroenlapnopparat und Kollegen aus dem Jahr 2023 fand einen Zusammenhang zwischen der Menopause und einer erhöhten Häufigkeit von Fettlebererkrankungen. Die Auswertung umfasste zwölf Studien mit fast 20.000 Frauen. Das bedeutet nicht, dass jede Frau nach den Wechseljahren eine Fettleber entwickelt. Es zeigt aber, dass die hormonelle Umstellung ein wichtiger Faktor für die Stoffwechselgesundheit sein kann. Wichtig ist die wissenschaftliche Unterscheidung: Die japanische Testosteronstudie liefert keine direkten Erkenntnisse über Östrogenmangel. Die Zusammenhänge bei Frauen stammen aus eigenständigen Untersuchungen.
Warum Fruchtzucker für die Leber problematisch werden kann
Fruchtzucker, auch Fructose genannt, kommt natürlicherweise in Obst vor. Besonders hohe Mengen können jedoch über gesüßte Getränke, Limonaden, Fruchtsäfte und stark verarbeitete Lebensmittel aufgenommen werden. Die Leber übernimmt einen großen Teil der Verarbeitung der aufgenommenen Fructose. Bei einer dauerhaft hohen Zufuhr kann dies die Bildung von Fett in der Leber begünstigen. Besonders problematisch ist dabei ein hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke, da auf diese Weise größere Zuckermengen aufgenommen werden können, ohne dass ein vergleichbares Sättigungsgefühl entsteht.

Dabei sollte man zwischen ganzen Früchten und zuckerhaltigen Getränken unterscheiden. Obst enthält neben Fructose auch Ballaststoffe, Wasser und weitere wertvolle Inhaltsstoffe. Ein pauschaler Verzicht auf Obst lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Sinnvoller ist es, insbesondere den regelmäßigen Konsum von Softdrinks, gesüßten Getränken und stark zuckerhaltigen Produkten zu reduzieren.
Was lässt sich für Frauen und Männer im Alltag tun?
Unabhängig davon, ob sich der Hormonhaushalt durch die Menopause oder die Andropause verändert, gibt es einige Maßnahmen, die den Stoffwechsel und die Lebergesundheit unterstützen können:
- Zuckerhaltige Getränke reduzieren: Vor allem Softdrinks und stark gesüßte Getränke sollten möglichst selten konsumiert werden.
- Ausgewogen essen: Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und hochwertige Eiweißquellen unterstützen eine ausgewogene Ernährung.
- Muskulatur erhalten: Regelmäßige Bewegung und Krafttraining helfen, Muskelmasse und Stoffwechselgesundheit zu erhalten.
- Bauchfett im Blick behalten: Eine übermäßige Zunahme des Bauchumfangs kann auf ein erhöhtes metabolisches Risiko hinweisen.
- Lebergesundheit kontrollieren: Bei entsprechenden Risikofaktoren kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Auch hormonelle Beschwerden sollten ernst genommen werden. Bei Verdacht auf einen ausgeprägten Testosteronmangel oder Beschwerden während der Wechseljahre kann eine ärztliche Untersuchung helfen, mögliche Ursachen und Behandlungsoptionen zu klären. Eine Hormontherapie sollte allerdings nicht allein mit dem Ziel begonnen werden, eine Fettleber zu verhindern. Dafür ist die wissenschaftliche Datenlage noch nicht ausreichend.
Alternde Hormone beeinflussen mehr als nur die Sexualität
Die hormonellen Veränderungen während der Menopause und Andropause betreffen nicht nur Libido, Schlaf, Stimmung oder körperliche Leistungsfähigkeit. Sie können auch den Stoffwechsel und die Lebergesundheit beeinflussen. Die japanische Studie liefert einen interessanten Hinweis darauf, dass Testosteronmangel und eine hohe Fructoseaufnahme gemeinsam die Fetteinlagerung in der Leber verstärken können. Dabei scheint auch die Darmflora eine Rolle zu spielen. Für Frauen zeigen andere Forschungsarbeiten, dass der Rückgang des Östrogens nach der Menopause ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für eine metabolisch bedingte Fettleber verbunden ist.
Damit wird deutlich, wie eng Hormone, Ernährung, Darm und Stoffwechsel miteinander verknüpft sind. Die wichtigste Botschaft: Wer sich mit den hormonellen Veränderungen der Lebensmitte beschäftigt, sollte nicht nur an Sexualität und Wechseljahresbeschwerden denken, sondern auch die langfristige Stoffwechselgesundheit im Blick behalten, denn eine gesunde Leber ist ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Alterns – bei Frauen ebenso wie bei Männern.
