Wer über die Folgen einer Ernährung mit vielen ultraverarbeiteten Lebensmitteln nachdenkt, denkt wahrscheinlich zuerst an Übergewicht, Blutzucker oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine neue Studie lenkt den Blick nun auf einen weniger offensichtlichen Bereich: die Muskulatur der Oberschenkel.
Forschende haben bei Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Kniearthrose hatten, einen auffälligen Zusammenhang entdeckt. Je größer der Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel an der Ernährung war, desto mehr Fett fand sich innerhalb der Oberschenkelmuskulatur. Das Bemerkenswerte daran: Der Zusammenhang blieb bestehen, selbst nachdem die Forschenden unter anderem die Kalorienzufuhr, körperliche Aktivität, den Body-Mass-Index und weitere Faktoren berücksichtigt hatten.
Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse von 615 Erwachsenen und wurden im Fachjournal Radiology veröffentlicht. Die Studie liefert damit einen weiteren Hinweis darauf, dass für die Gesundheit im Alter nicht allein entscheidend sein könnte, wie viel wir essen, sondern auch, was wir essen.
Fett kann sich dort verstecken, wo man es nicht erwartet
Fett am Bauch oder an den Hüften lässt sich äußerlich erkennen. Fett im Inneren eines Muskels dagegen bleibt zunächst unsichtbar. Genau diese Form der Fettablagerung stand im Mittelpunkt der neuen Untersuchung. Mithilfe von MRT-Aufnahmen untersuchten die Forschenden die Oberschenkelmuskeln der Teilnehmer. Dabei ging es nicht um das Fettgewebe unter der Haut, sondern um Fett, das sich innerhalb des Muskelgewebes befindet.

Auf den Aufnahmen können solche Veränderungen als Fettstreifen oder fettige Bereiche innerhalb der Muskulatur sichtbar werden. Ein Muskel besteht dann nicht mehr ausschließlich aus dicht angeordneten Muskelfasern, sondern enthält zunehmend Fettanteile. In der medizinischen Forschung wird dies als Muskel-Fett-Infiltration oder intramuskuläre Fettablagerung bezeichnet.
Für das Älterwerden ist das interessant, weil Muskelmasse und Muskelqualität zwei unterschiedliche Dinge sind. Ein Mensch kann beispielsweise noch eine relativ normale Muskelmasse besitzen, während die Qualität des Muskelgewebes bereits nachlässt.
Der Muskel wird nicht einfach nur schwächer
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Muskulatur. Muskelmasse kann abnehmen, die Kraft lässt nach und Bewegungen werden teilweise langsamer. Doch Muskelgesundheit lässt sich nicht allein anhand der Muskelgröße beurteilen. Entscheidend ist auch, wie das Muskelgewebe zusammengesetzt ist und wie gut es funktioniert.
Wenn sich zunehmend Fett innerhalb der Muskulatur einlagert, kann dies mit einer schlechteren Muskelqualität einhergehen. Für die Oberschenkel ist das besonders interessant, weil diese Muskeln eine zentrale Rolle beim Gehen, Aufstehen, Treppensteigen und bei der Stabilisierung des Kniegelenks spielen.
Gerade im höheren Lebensalter kann die Kombination aus weniger Kraft, schlechterer Muskelqualität und Gelenkproblemen zu einem Teufelskreis werden. Wer Schmerzen im Knie bekommt, bewegt sich möglicherweise weniger. Weniger Bewegung kann wiederum zu weiterer Muskelschwäche führen. Eine schwächere Muskulatur kann die Belastung des Kniegelenks verändern. Die neue Studie deutet nun darauf hin, dass möglicherweise auch die Ernährung mit der Qualität der Oberschenkelmuskulatur zusammenhängt.
615 Menschen und ein überraschender Blick ins Muskelgewebe
Für die Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf Daten der sogenannten Osteoarthritis Initiative zurück. Dabei handelt es sich um ein großes Forschungsprogramm, das untersucht, wie Kniearthrose entsteht, wie sie sich entwickelt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Für die aktuelle Analyse wurden 615 Menschen ausgewählt. Die Gruppe bestand aus 275 Männern und 340 Frauen
Das Durchschnittsalter lag bei rund 60 Jahren. Der durchschnittliche BMI betrug 27 und lag damit im Bereich von Übergewicht. Wichtig ist jedoch: Zum Zeitpunkt der für diese Untersuchung verwendeten MRT-Untersuchungen zeigten die Teilnehmer noch keine radiologischen Anzeichen einer Kniearthrose.
Die Forschenden betrachteten also nicht einfach Menschen mit bereits schwer geschädigten Knien. Sie untersuchten Personen, die ein erhöhtes Risiko für Kniearthrose aufwiesen, aber zu diesem Zeitpunkt noch keine entsprechenden Veränderungen auf den Bildern zeigten. Das macht die Fragestellung für die Prävention besonders interessant.
Was sind eigentlich ultraverarbeitete Lebensmittel?
Die Teilnehmer hatten Angaben zu ihrer Ernährung gemacht. Daraus wurde ermittelt, welchen Anteil ultraverarbeitete Lebensmittel an ihrer täglichen Ernährung ausmachten. Im Durchschnitt waren 41,4 Prozent der konsumierten Lebensmittel beziehungsweise der entsprechenden Ernährungsmenge als ultraverarbeitet eingestuft. Damit wurde nicht einfach gefragt: „Essen Sie viel Fast Food?“ Stattdessen wurde die Ernährung systematisch nach dem sogenannten NOVA-System klassifiziert. Dieses System unterscheidet Lebensmittel danach, wie stark sie verarbeitet wurden.
Ultraverarbeitete Lebensmittel sind mehr als einfach nur „verarbeitete Lebensmittel“. Ein Stück Käse, Tiefkühlgemüse oder Vollkornbrot wurde ebenfalls verarbeitet. Das bedeutet nicht automatisch, dass es sich um ein ultraverarbeitetes Produkt handelt. Bei ultraverarbeiteten Lebensmitteln geht es vielmehr um Produkte, die industriell stark verändert und häufig aus einer Kombination verschiedener Zutaten hergestellt werden. Dazu können beispielsweise Aromen, Farbstoffe, Süßungsmittel, Emulgatoren oder andere Zusatzstoffe kommen.
Typische Beispiele sind:
- Softdrinks und viele Energy-Drinks
- Süßigkeiten und industriell hergestellte Desserts
- abgepackte Snacks
- bestimmte Frühstückscerealien
- Tiefkühlpizza
- viele Fertiggerichte
- Hotdogs und andere stark verarbeitete Fleischprodukte
- industriell hergestellte Backwaren
- verschiedene abgepackte Brot- und Brötchenprodukte
- bestimmte Brotaufstriche und Margarineprodukte
Dabei gilt allerdings: Nicht jedes Produkt mit einem Zusatzstoff ist automatisch „ungesund“, und die Kategorie ultraverarbeiteter Lebensmittel ist sehr breit. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern das gesamte Ernährungsmuster. Bereits frühere Studien fanden Zusammenhänge zwischen einem hohen Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und der Muskelgesundheit. Auch das Risiko für Sarkopenie könnte erhöht sein.
Je mehr ultraverarbeitete Lebensmittel, desto mehr Fett im Muskel
In der aktuellen Untersuchung fanden die Forschenden einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung und der Menge an Fett innerhalb der Oberschenkelmuskeln. Vereinfacht gesagt: Je höher der Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung war, desto stärker war die Fettinfiltration der Oberschenkelmuskulatur ausgeprägt.
Dieser Zusammenhang zeigte sich bei der Betrachtung aller untersuchten Oberschenkelmuskeln und insbesondere bei bestimmten Muskelgruppen wie den Beugern und Adduktoren. Auch nach Anpassung für den BMI blieb der Zusammenhang bestehen. Wurde statt des BMI der Bauchumfang berücksichtigt, waren die statistischen Zusammenhänge sogar noch stärker. Besonders interessant ist, dass die Forschenden nicht einfach nur einen Zusammenhang mit dem Körpergewicht beobachteten. Die Daten sprechen vielmehr dafür, dass die Ernährungsqualität mit der Zusammensetzung des Muskelgewebes verbunden sein könnte.
Warum das für Knie und Beweglichkeit wichtig sein könnte
Die Oberschenkelmuskulatur ist für die Funktion des Knies von großer Bedeutung. Sie ermöglicht die Bewegung des Beins und trägt dazu bei, das Knie bei alltäglichen Aktivitäten zu stabilisieren. Besonders die Muskulatur an der Vorderseite des Oberschenkels spielt eine wichtige Rolle beim Aufstehen, Gehen und Treppensteigen. Wenn die Muskelqualität nachlässt, kann sich das auf die Funktion des gesamten Bewegungsapparates auswirken.

Kniearthrose wiederum betrifft nicht nur den Knorpel. Heute wird sie als Erkrankung betrachtet, an der verschiedene Strukturen beteiligt sind – darunter Knochen, Gelenkinnenhaut, Fettgewebe und Muskulatur. Eine veränderte Muskulatur könnte deshalb Teil eines größeren Zusammenspiels sein. Die Forschenden weisen darauf hin, dass eine stärkere Fettinfiltration der Oberschenkelmuskeln möglicherweise zur Entwicklung oder Verschlechterung von Kniearthrose beitragen könnte. Das ist allerdings eine mögliche Erklärung und kein durch diese Studie bewiesener Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Die interessante Frage: Ist die Ernährung wichtiger als die Kalorien?
Eine der spannendsten Fragen der Untersuchung lautet deshalb nicht nur: Wie viele Kalorien essen wir? Sondern: Aus welchen Lebensmitteln stammen diese Kalorien? Die Forschenden berücksichtigten die tägliche Kalorienaufnahme in ihren statistischen Modellen. Trotzdem blieb der Zusammenhang zwischen dem Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel und der Fettinfiltration der Muskulatur bestehen.
Auch körperliche Aktivität wurde berücksichtigt. Das bedeutet nicht, dass Kalorien oder Bewegung unwichtig wären. Ganz im Gegenteil: Körpergewicht und Bewegungsverhalten sind wichtige Faktoren für die Gesundheit von Muskeln und Gelenken. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass die Qualität der Ernährung zusätzliche Informationen liefern könnte, die allein durch Kalorienzählung oder Gewichtsmessung nicht sichtbar werden. Das ist gerade für das gesunde Altern interessant.
Ein normaler BMI erzählt nicht die ganze Geschichte
Der BMI ist ein einfaches und nützliches Maß, hat aber eine bekannte Schwäche: Er sagt wenig darüber aus, woraus das Körpergewicht besteht. Zwei Menschen können denselben BMI haben und trotzdem völlig unterschiedliche Körperzusammensetzungen aufweisen. Der eine besitzt beispielsweise mehr Muskelmasse und weniger Körperfett, während der andere weniger Muskelmasse und einen höheren Fettanteil besitzt.
Die neue Untersuchung führt diese Überlegung noch weiter. Selbst innerhalb der Muskulatur kann die Zusammensetzung unterschiedlich sein. Ein Muskel kann äußerlich normal erscheinen, während sich im Inneren bereits mehr Fett angesammelt hat. Genau solche Veränderungen lassen sich mit bildgebenden Verfahren wie der MRT sichtbar machen.
Warum die MRT-Aufnahmen besonders interessant sind
Für die Studie wurden herkömmliche, nicht kontrastmittelverstärkte MRT-Aufnahmen verwendet. Das ist deshalb interessant, weil MRT-Untersuchungen nicht nur Knochen und Gelenke darstellen können. Sie erlauben auch einen Blick auf die Zusammensetzung von Weichteilgewebe und Muskeln. Die Forschenden sehen darin einen Vorteil für zukünftige Untersuchungen.
Wenn sich solche bildgebenden Verfahren künftig stärker für die Beurteilung der Muskelqualität einsetzen lassen, könnte man möglicherweise genauer untersuchen, wie sich Ernährung, Bewegung, Alter und Erkrankungen gegenseitig beeinflussen. Dabei geht es nicht darum, dass jeder Mensch regelmäßig ein MRT seiner Oberschenkel benötigt. Vielmehr können solche Untersuchungen der Forschung helfen, Veränderungen im Körper sichtbar zu machen, die mit einfachen Messungen wie Gewicht, BMI oder Bauchumfang nicht erfasst werden.
Warum gerade das Alter eine Rolle spielt
Mit zunehmendem Alter wird es immer wichtiger, die Muskulatur zu erhalten. Muskeln sind nicht nur für sportliche Leistungen da. Sie entscheiden darüber, ob wir selbstständig aufstehen, einkaufen, Treppen steigen oder einen längeren Spaziergang machen können. Wenn Muskelkraft und Beweglichkeit nachlassen, steigt das Risiko, dass alltägliche Aktivitäten schwieriger werden.
Probleme an den Knien können diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. Schmerzen führen häufig dazu, dass Menschen Bewegungen vermeiden. Dadurch wird die Muskulatur weniger beansprucht. Wird die Muskulatur schwächer, können bestimmte Bewegungen wiederum schwieriger werden.

Deshalb ist die Kombination aus Bewegung, Muskelkraft, Körpergewicht und Ernährung für gesundes Altern besonders relevant. Die neue Studie fügt dieser Gleichung einen weiteren Faktor hinzu: die Qualität der Lebensmittel, die wir regelmäßig essen.
Was könnte hinter dem Zusammenhang stecken?
Die Studie kann nicht erklären, warum mehr ultraverarbeitete Lebensmittel mit mehr Fett im Muskel verbunden waren. Es gibt allerdings mehrere mögliche Erklärungen. Eine Ernährung mit einem hohen Anteil ultraverarbeiteter Produkte kann insgesamt weniger Ballaststoffe, bestimmte Mikronährstoffe und andere Bestandteile enthalten, die in einer abwechslungsreichen Ernährung aus wenig verarbeiteten Lebensmitteln häufiger vorkommen. Gleichzeitig enthalten viele ultraverarbeitete Produkte relativ viel Energie, Salz, Zucker oder ungünstige Fettkombinationen.
Eine solche Ernährung kann außerdem Übergewicht begünstigen. Darüber hinaus werden Stoffwechselprozesse, Entzündungsreaktionen und Veränderungen der Körperzusammensetzung als mögliche Verbindungen zwischen Ernährung und Muskelqualität diskutiert. Die aktuelle Studie kann jedoch nicht feststellen, welcher dieser Mechanismen tatsächlich für den beobachteten Zusammenhang verantwortlich ist. Es wäre deshalb falsch zu behaupten, ein bestimmter Zusatzstoff oder ein einzelnes Fertiggericht „verfette“ direkt die Oberschenkelmuskulatur.
Es geht nicht um eine einzelne Tiefkühlpizza
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Die Studie untersucht keine einzelne Mahlzeit und auch kein bestimmtes Produkt. Sie betrachtet den Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel an der gesamten Ernährung. Wer gelegentlich eine Tiefkühlpizza isst oder einen Schokoriegel kauft, muss deshalb nicht davon ausgehen, dass dadurch die Muskelqualität beeinträchtigt wird.
Problematischer könnte vielmehr ein Ernährungsmuster sein, bei dem stark verarbeitete Produkte einen sehr großen Teil der täglichen Ernährung ausmachen und frische oder wenig verarbeitete Lebensmittel zunehmend verdrängen. Für die Gesundheit im Alter dürfte daher weniger die Frage entscheidend sein, ob man ein bestimmtes Lebensmittel niemals essen darf. Interessanter ist die Frage: Wie sieht die Ernährung über Wochen, Monate und Jahre hinweg aus?
Ernährung und Bewegung gehören zusammen
Die Studie liefert auch keinen Grund, Ernährung und Bewegung gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil. Für die Gesundheit der Muskeln ist regelmäßige körperliche Aktivität von zentraler Bedeutung. Krafttraining kann helfen, Muskelkraft und Muskelmasse zu erhalten. Ausdauerbewegung unterstützt unter anderem die allgemeine Fitness und Beweglichkeit.
Eine ausgewogene Ernährung liefert gleichzeitig die Energie und Nährstoffe, die der Körper für den Erhalt und die Reparatur von Gewebe benötigt. Gerade im Alter kann die Kombination besonders wichtig werden. Denn wer sich viel bewegt, aber dauerhaft sehr einseitig ernährt, hat möglicherweise nicht die gleichen gesundheitlichen Voraussetzungen wie jemand, der Bewegung mit einer nährstoffreichen Ernährung verbindet.
Was die Studie nicht beweist
So interessant die Ergebnisse sind, sollten sie nicht überinterpretiert werden. Die Untersuchung war querschnittlich. Die Forschenden betrachteten also Ernährungsdaten und MRT-Aufnahmen zu einem bestimmten Untersuchungszeitpunkt. Damit lässt sich nicht feststellen, was zuerst kam. Es ist beispielsweise möglich, dass eine hohe Aufnahme ultraverarbeiteter Lebensmittel zur schlechteren Muskelqualität beiträgt.
Es ist aber auch denkbar, dass Menschen mit einer schlechteren körperlichen Verfassung ihre Ernährung verändern und häufiger zu einfach zuzubereitenden Fertigprodukten greifen. Oder mehrere Faktoren beeinflussen gleichzeitig sowohl die Ernährung als auch die Muskelqualität. Die Studie kann deshalb einen Zusammenhang zeigen, aber keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen.
Auch die Zahl von 615 Teilnehmern ist zwar für eine MRT-basierte Untersuchung beachtlich, aber deutlich kleiner als bei großen epidemiologischen Ernährungsstudien. Und schließlich beruhen die Ernährungsdaten auf Angaben der Teilnehmer über das vergangene Jahr. Solche Ernährungsfragebögen sind hilfreich, können aber nie jede Mahlzeit und jede Portionsgröße vollkommen exakt erfassen.
Ein weiterer Hinweis darauf, dass „gesundes Gewicht“ nicht alles ist
Für die Forschung zum gesunden Altern ist die Studie dennoch interessant. Lange Zeit wurde bei Ernährung und Alter vor allem auf Körpergewicht, BMI und Kalorienzufuhr geschaut. Doch der Körper ist komplexer. Zwei Menschen mit gleichem Gewicht können unterschiedliche Mengen an Muskelmasse, Körperfett und Fettverteilung haben. Und selbst zwei Menschen mit ähnlicher Muskelmasse können unterschiedliche Muskelqualität besitzen.
Die neue Untersuchung zeigt, wie moderne Bildgebung solche Unterschiede sichtbar machen kann. Der vielleicht wichtigste Gedanke lautet deshalb: Gesundes Altern bedeutet nicht nur, möglichst wenig Gewicht zuzunehmen. Es bedeutet auch, die Qualität von Muskeln und Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten.
Was man daraus für den Alltag mitnehmen kann
Aus einer einzelnen Studie lässt sich keine perfekte Anti-Aging-Ernährung ableiten. Die Ergebnisse passen jedoch zu einem grundsätzlich sinnvollen Ernährungsmuster: möglichst viele nährstoffreiche, wenig verarbeitete Lebensmittel und weniger stark ultraverarbeitete Produkte. Auf dem Teller können beispielsweise Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und je nach persönlicher Ernährungsweise geeignete Proteinquellen eine größere Rolle spielen.

Gleichzeitig muss niemand eine Ernährung anstreben, bei der jedes industriell hergestellte Lebensmittel verboten ist. Entscheidend ist das Gesamtbild. Für die Muskulatur kommt außerdem Bewegung hinzu. Regelmäßiges Krafttraining und alltägliche Aktivität sind gerade im höheren Lebensalter wichtige Bausteine, um Kraft, Gleichgewicht und Selbstständigkeit zu erhalten.
Die neue Untersuchung zeigt etwas, das für die Altersforschung zunehmend interessant wird: Manche Veränderungen des Körpers lassen sich nicht an der Waage erkennen. Man kann äußerlich relativ gesund aussehen und trotzdem Veränderungen in Muskeln und anderen Geweben entwickeln. Bildgebende Verfahren wie die MRT machen solche Veränderungen sichtbar.
Die Forschenden sehen deshalb einen möglichen Nutzen darin, künftig genauer zu untersuchen, wie Ernährung, Muskelqualität und Gelenkgesundheit zusammenhängen. Ob weniger ultraverarbeitete Lebensmittel tatsächlich dazu beitragen, Fettinfiltrationen in den Muskeln zu verhindern oder eine spätere Kniearthrose zu reduzieren, muss allerdings erst durch langfristige Studien geklärt werden.
Nicht nur auf die Waage schauen
Die neue Studie lenkt den Blick auf einen möglicherweise unterschätzten Aspekt der Ernährung. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Kniearthrose war ein höherer Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel mit mehr Fett innerhalb der Oberschenkelmuskulatur verbunden. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem verschiedene wichtige Faktoren berücksichtigt wurden. Das bedeutet nicht, dass Fertiggerichte automatisch Kniearthrose verursachen. Die Untersuchung beweist auch nicht, dass eine Ernährungsumstellung die Fettinfiltration der Muskulatur wieder rückgängig machen kann.
Sie liefert jedoch einen interessanten Hinweis darauf, dass Ernährungsqualität, Muskelqualität und Gelenkgesundheit enger miteinander verbunden sein könnten als bisher angenommen. Gerade für gesundes Altern ist das eine wichtige Perspektive. Denn wenn es darum geht, möglichst lange beweglich und selbstständig zu bleiben, zählt nicht nur die Zahl auf der Waage. Es kommt auch darauf an, wie gut die Muskeln funktionieren, die unseren Körper jeden Tag tragen.


